Vom Hausmeister zum Multimillionär: Was wir von Ronald Read lernen können

Grabstein
Ronald James Read gehört zu den bemerkenswertesten Investoren aller Zeiten. Aber warum eigentlich?

 

Warren Buffett, Peter Lynch oder George Soros. Alle drei gehören zweifelsfrei zu den größten Investoren aller Zeiten. Es ist daher auch naheliegend anzunehmen, dass man ihr Verhalten nachahmen sollte, um an der Börse erfolgreich zu sein. Man könnte sich aber auch andere Vorbilder suchen. Zum Beispiel Ronald James Read.

Ronald wer? Diese Reaktion ist die Regel, wenn ich in persönlichen Gesprächen auf Ronald Read verweise. Und tatsächlich hatte ich bis zur Lektüre des großartigen Buchs Über die Psychologie des Geldes von Morgan Housel auch noch nie etwas über diesen Mann gehört.

 

Schauen wir, was Wikipedia uns verrät:

Ronald James Read (October 23, 1921 – June 2, 2014) was an American philanthropist, investor, janitor, and gas station attendant.

 

Frei übersetzt: Ronald James Read war ein amerikanischer Philanthrop, Investor, Hausmeister und Tankwart.

 

Ronald Read: Hausmeister und Tankwart

Ronald Read war der erste in seiner Familie mit einem High School Abschluss. Um zur Schule zu gelangen, legte er täglich einen Fußmarsch von 4 Meilen (rund 6,4 Kilometer zurück). Er diente im Zweiten Weltkrieg und arbeitete nach seiner Rückkehr für 25 Jahre als Tankwart und Mechaniker. Nach einem Jahr des Ruhestands begann er auf Teilzeitbasis weitere 17 Jahre als Hausmeister bei der Kaufhauskette J.C. Penny zu arbeiten.

So weit, so unspektakulär. Die beiden Punkte “Hausmeister” und “Tankwart” auf der Wikipedia-Liste haben wir damit abgehakt. Doch was hat es mit Ronald Read, dem Investor und Philanthropen auf sich?

 

Ronald Read Meme
Ronald Read war ein vielseitiger Mann.

 

Ronald Read: Der Investor

Langsam wird es spannend. Denn wir gehen der Frage auf den Grund, warum Ronald Read überhaupt zum Investor wurde. Alles begann in einem Cafe im Brattleboro Memorial Hospital. Jeden Morgen trank Read – der zeitlebens sehr sparsam lebte – hier eine Tasse Kaffee und aß einen English Muffin. Doch eines Tages schloss das Cafe.

Read fand ein neues Cafe mit dem Namen “Friendly`s”. In diesem Cafe traf Read auf einen der Manager, die zuvor das Cafe im Memorial Hospital betrieben. Dieser Manager gab Read eine Empfehlung, die sein Leben verändern sollte. Nämlich die Bibliothek aufzusuchen. Read hielt sich an diesen Rat und besorgte sich einen Bibliotheksausweis. Es wurde der Tag, an dem Read zu lernen begann, wie man investiert. 

Er war dermaßen fasziniert vom Thema Investieren, dass er jede Woche mehrere Bücher auslieh und deren Inhalte geradezu in sich aufsog. In seinem Nachruf hieß es, dass in die Bibliothek zu gehen und über das Investieren zu lesen, der Wendepunkt in Ronald Reads Leben war.

Der Investment-Ansatz von Read war einfach. Er kaufte Aktien von großartigen Unternehmen und behielt sie dann für Jahrzehnte. Seine erste Aktie kaufte er im Jahr 1959. Read suchte stets nach Unternehmen, die Dividenden auszahlen. Gleichzeitig vermied er Unternehmen, deren Geschäft er nicht verstand, wie etwa Tech-Unternehmen. 

 

Sein Fokus lag auf Blue-Chip Aktien. Also Aktien großer, etablierter Unternehmen.

 

95 Aktien waren zum Zeitpunkt seines Todes in seinem Portfolio. Zu seinen größten Positionen gehörten die US-Großbank Wells Fargo (510.000 US-Dollar) sowie die beiden Konsumgüter-Giganten Procter & Gamble (364.000 US-Dollar) und Colgate (252.000 US-Dollar). 

Natürlich hatte Read auch Nieten im Portfolio. Etwa die Aktien von Lehman Brothers Holdings. Also von einem Unternehmen, das im Jahr 2008 (ganz zu Beginn der Finanzkrise) untergegangen ist.

 

Ronald Read: Der Philanthrop

Am Ende seines Lebens (er starb 2014 im Alter von stolzen 92 Jahren) betrug das Vermögen von Ronald Read rund 8 Millionen US-Dollar. 2 Millionen Dollar gingen an seine beiden Stiefkinder

Die verbleibenden 6 Millionen spendete er an sein lokales Krankenhaus (4,8 Millionen) bzw. an die örtliche Bibliothek (1,2 Millionen). Und hier schließt sich der Kreis. Read gab gewissermaßen zurück, was er an diesen beiden Orten gewonnen hatte.

Ein weiterer wunderbarer Fun Fact: Die Bibliothek gab das Geld nicht etwa aus. Sie investierte das meiste davon.

 

“Auf diese Weise wird es weiterhin Dividenden ausschütten und uns dauerhaft auf unserem Weg unterstützen”.

 

Das sagte die Direktorin Starr LaTronica. Der Rest des Geldes wurde genutzt, um das 50 Jahre alte Gebäude zu renovieren und die Öffnungszeiten auszudehnen.

 

Ronald Read: Das Vorbild!?

Was können wir von Ronald Read nun mitnehmen? Also abgesehen von einer wunderbaren Geschichte zum Weitererzählen. Tatsächlich so einiges. Vor allem folgende drei Punkte:

 

-) Man benötigt KEIN hohes Gehalt, um es zum Millionär bringen zu können.

-) Guter Umgang mit Geld hat viel mehr mit klugem Verhalten als mit Intelligenz zu tun.

-) Buy and Hold ist einer DER Erfolgsfaktoren an der Börse.

 

Viele halten die Geschichte von Ronald Read für traurig. Warum? Ganz einfach, weil er bis zu seinem Tod extrem sparsam lebte. Wenn man den Informationen von Freunden und Familie glauben schenken darf, kann man diesen Einwand aber den Wind aus den Segeln nehmen. Denn Read liebte es zu investieren. Der Prozess, ein Vermögen aufzubauen, war für ihn Belohnung genug.

Ein weiterer möglicher Kritikpunkt: Laut Medienberichten waren selbst die Stiefkinder von Read, die ja mit jeweils einer Million US-Dollar großzügig bedacht wurden, völlig überrascht vom großen Vermögen ihres Stiefvaters. Dieser starb ja im fortgeschrittenen Alter von 92 Jahren. Womöglich hätten sie mit dem Geld zu einem früheren Zeitpunkt mehr anfangen können. 

 

Doch selbst wenn das so ist. Seine Erben sind jetzt ja glücklicherweise in der Position, es bei ihren eigenen Kindern anders zu machen.

 

Ich persönlich finde die Geschichte von Ronald Read so berührend, weil er sich ganz offensichtlich selbst stets treu geblieben ist. Ob dies nun seine Bescheidenheit im Alltag war, oder sein Wille im Alter noch Neues zu lernen. Dass er schließlich zum großzügigen Spender wurde, rundet das ganze noch zusätzlich ab.

 

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