Ohne Hokuspokus: Wie man (finanziell) alles erreicht. Mein Buch des Jahres

Atomic Habits Buchrezension
Atomic Habits Buchrezension

Ziemlich genau 70 Bücher habe ich in diesem Kalenderjahr bereits gelesen oder gehört. Nur ein einziges habe ich mir gleich zwei Mal gegönnt. Aus gutem Grund. Es ist für mich das mit Abstand beste Buch des bisherigen Jahres: Die 1%-Methode von James Clear.

 

Der Titel des Buches haut mich ehrlicherweise nicht gerade aus den Socken. Er wird diesem Meisterwerk nämlich nicht gerecht. Vollständig heißt das Buch übrigens “Die 1%-Methode – Minimale Veränderungen, maximale Wirkung”. Doch auch der Zusatz macht die Sache nicht unbedingt besser.

Aber warum beschäftigt mich der Titel überhaupt so sehr? Das liegt am englischen Originaltitel, der dem eigentlichen Inhalt auf mehreren Ebenen viel besser gerecht wird. Und außerdem extrem cool klingt.

 

Atomic Habits

Der ursprüngliche Titel des Buchs lautet “Atomic Habits”. Ein toller Name, man weiß sofort, dass einen hier etwas potenziell Großartiges erwartet. Außerdem hilft der Titel dem Leser auf Anhieb besser zu verstehen, worum es in diesem Buch gehen wird. 

Nämlich darum, Prozesse in ihre kleinsten Einheiten aufzubrechen. Also in ihre Atome (ich weiß zwar, dass es noch kleiner geht, will hier aber keine akademische Physik-Diskussion lostreten).

Doch um welche Prozesse geht es konkret? Um jene Prozesse, die nötig sind, um Ziele zu erreichen. Egal wie diese aussehen.

 

Eine Erklärung am Beispiel Finanzen

Am besten wir schauen uns die Herangehensweise von Atomic Habits in unser aller Lieblingskontext an: den Finanzen. Zunächst gilt es ein Ziel zu definieren. Dieses darf gerne ambitioniert sein. Das wird in der einschlägigen Literatur übrigens auch genau so empfohlen. Bloß: Von ambitionierten Zielen alleine ist noch niemand wohlhabend geworden. Es braucht also etwas, das zwischen der Zieldefinition in der Gegenwart und der Zielerreichung in der Zukunft steht. Dabei handelt es sich um Prozesse.

Doch bleiben wir noch kurz beim Thema Ziele. Diese können natürlich sehr unterschiedlich sein. Um unser Beispiel möglichst einfach zu halten, gehen wir ganz einfach davon aus, dass man einen bestimmten Depotwert ins Auge gefasst hat. Zum Beispiel eine Million Euro.

 

Prozesse definieren

Dem Ziel, einen Depotwert von einer Million Euro zu erreichen, kann man sich auf vielfache Weise nähern. Wir wählen einen legalen, vergleichsweise schnellen und verlässlichen Weg. Stetiges Investieren in den Aktienmarkt.

Grundlage dieser Investments können verschiedene Geldquellen sein. Zum Beispiel das Arbeitseinkommen. Grundsätzlich gilt hier: je mehr, desto besser. Doch Achtung: Die Höhe des Gehalts alleine sagt noch gar nichts darüber aus, wie (schnell) wir unser Ziel erreichen können. Vielmehr kommt es auf die Sparquote an. Also das Delta zwischen dem, was man verdient und dem, was man schlussendlich spart/investiert. 

Auf individueller Ebene (also nicht im Vergleich zwischen verschiedenen Personen mit verschiedenen Einkommen) gilt: Je höher die Sparquote, desto höher jener Betrag, den man investieren kann. Wir nennen diesen ganz einfach den Investitionsbetrag.

 

Kritische Größe

Der relevante Faktor auf dem Weg zum Millionen-Depot liegt also im Investitionsbetrag. Diesen gilt es in einem ersten Schritt zu definieren. Ich habe für unser Beispiel 500 Euro im Monat gewählt. Dieser Betrag ist gewiss ambitioniert aber sicher nicht utopisch. 

Unter der Annahme von 0 Euro Startkapital (realistisch), 7 Prozent jährlicher Rendite (realistisch für den Aktienmarkt), keinen Steuern (nicht realistisch) und keinen Gebühren (fast realistisch) kommt man auf eine rechnerische Laufzeit von ziemlich genau 37 Jahren. Nachzurechnen unter https://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php

 

Atomare Anpassungen

Soweit zur Ausgangssituation. Mir ist klar: Für die einen klingen 37 Jahre Wartezeit auf das Millionen-Depot recht kurz, für andere wiederum sehr (vielleicht sogar zu) lange. Ich gehöre grundsätzlich eher zu Ersteren, bin in Geldfragen aber auch ein sehr geduldiger Typ. 

Doch ganz unabhängig davon gilt: Wenn man den Prozess (Aufbau eines Millionen-Depots) beschleunigen will, dann muss man zwingend die Sparrate erhöhen. Schließlich lassen sich die anderen Einflussfaktoren nur deutlich schwieriger verändern.

Und hier schließt sich nun der Kreis zu Atomic Habits. Denn geht es nach dem Autor James Clear, macht es Sinn, sich bei der Prozessoptimierung (in unserem Fall Erhöhung der Sparquote) selbst auf die allerkleinsten Maßnahmen zu verlassen. Ziehen wir dazu für ein mal den von mir ungeliebten deutschen Titel her, also das berühmte Prozent. 

 

Auf der Jagd nach jedem Prozent

1 Hundertstel von 500 Euro sind exakt 5 Euro. Genau auf diese Prozent haben wir es abgesehen. Wir starten nun also eine Suche: In welchen Bereichen der persönlichen Finanzen lassen sich weitere Einsparungen (oder Einnahme-Erhöhungen) realisieren? Mir fallen da spontan folgende fünf Dinge ein: Stromanbieter, Gasanbieter, Versicherungen, Internetanbieter, Handyanbieter. Natürlich gibt es noch viele weitere mehr.

Lassen sich nur alleine bei diesen fünf genannten Punkten jeweils 5 Euro pro Monat nachhaltig sparen (bei Strom, Gas und Versicherungen sehr einfach bzw. mehr möglich – bei Internet und insbesondere Handy wird die Luft schon etwas dünner), kommt man schon auf 25 Euro. Erhöht man den Investitionsbetrag nun um diese Summe auf 525 Euro pro Monat, verkürzt sich Laufzeit bis zur Zielerreichung. 

In welchem Umfang? Immerhin um ziemlich genau 8 Monate. Hört sich wenig an? Das ist relativ. Denn wenn es bedeutet, dass man gerade seinen Renteneintritt um 8 Monate vorverlegt hat, dann klingt das gar nicht mal so übel.

 

Atomarer Zinseszinseffekt

Richtig spannend wird das Ganze, wenn man mehr als nur fünf verschiedene Maßnahmen findet, um 1 Prozent besser zu werden. So nimmt der Prozess sehr schnell Fahrt auf. Im übertragenen Sinne kommt es nämlich zu einem Zinseszinseffekt der Maßnahmen.

Als Beispiel nennt der Autor in seinem Buch gleich ganz zu Beginn die Geschichte des britischen Radrennstalls Ineos (wiki https://de.wikipedia.org/wiki/Team_Ineos). Aus einer Verlierermannschaft wurde dank Dave Brailsford innerhalb kürzester Zeit ein Team, das in den letzten Jahren zum Dominator der Tour de France geworden ist. Das unterstreichen die Siege in den Jahren 2012, 2013, 2015, 2016, 2017, 2018 und 2019.

Wie? Das Ganze wurde durch die sogenannte “aggregation of marginal gains” (Wikipedia-Link https://en.wikipedia.org/wiki/Dave_Brailsford#’Marginal_gains’_philosophy) möglich. Minimalen positiven Veränderungen. Beim Radfahren sind das offensichtliche Dinge wie: Gewicht beim Rennrad einsparen oder Rennanzüge, die eine bessere Aerodynamik aufweisen. Aber auch weniger naheliegende Dinge: Eigene Matratzen und Kissen für die Fahrer, die zu den Radrennen mitgenommen werden. Chirurgen, die den Radfahrern erklären, wie man sich richtig die Hände wäscht um krankheitsfrei durch die Wintermonate zu kommen. Oder aber auch die optimalen Massagegels, um die Regeneration nach den einzelnen Etappen zu optimieren. Siehe hierzu auch https://www.dw.com/de/team-ineos-das-streben-nach-perfektion/a-49602100

All diese Einzelmaßnahmen wirken auf den ersten Blick vernachlässigbar. Doch ihre Summe machte schließlich den Unterschied. Die Resultate sprechen hier eine eindeutige Sprache.

 

Wie man ein Investor wird. Und langfristig bleibt.

Nach diesem kleinen Exkurs in die jüngere Geschichte des professionellen Radsports wollen wir zu unserem Beispiel zurückkehren. Wir wissen jetzt, dass es ein Ziel braucht. Und wir wissen auch, dass es sich bei den Atomic Habits um Gewohnheiten handelt, die uns dabei helfen den Prozess zum Ziel nach und nach in kleinen Schritten zu optimieren. Die Geschichte ist hier aber natürlich noch nicht zu Ende erzählt.

So geht James Clear in seinem Buch natürlich auch darauf ein, wie man es schafft, seinen Zielen treu zu bleiben. Denn wie man es dreht und wendet: Ohne Lottogewinn oder Erbschaft wird der Prozess, der zum Ziel Millionen-Depot führt, sich über Jahre bzw. Jahrzehnte strecken.

Doch woher soll man nun diese Ausdauer nehmen? Vor allem, wenn man gerade erst bei Null begonnen hat. Auch darauf hat der Autor bzw. das Buch eine Antwort. Die Kurz-Zusammenfassung: Es geht darum, sich mit dem eigenen Ziel zu identifizieren. 

Konkrete Beispiele gefällig? Wenn mein Ziel ein Marathon ist, dann muss ich zum Läufer werden. Wenn mein Ziel ist, mit dem Rauchen aufzuhören, dann muss ich zum Nichtraucher werden. Wenn mein Ziel ist auf tierische Produkte zu verzichten, dann muss ich ein Veganer werden.

Erst durch die volle Identifikation mit dem Ziel, wird dieses Teil der eigenen Identität. Läufer sind Menschen, die laufen. Egal wie das Wetter ist. Nichtraucher lehnen Zigaretten jederzeit ab. Veganer werden niemals tierische Produkte verspeisen. Und Investoren legen ihr Geld regelmäßig so an, dass es sich langfristig vermehrt. Und schließlich das Millionen-Depot erreicht wird. 

 

Fazit

Ich lese sehr viele Bücher. Deshalb bin ich in ihrer Beurteilung sehr streng. Nur ein Bruchteil aller Werke wird von mir weiterempfohlen. Die 1%-Methode von James Clear gehört dazu. 

Und zwar nicht etwa, weil ich persönlich sehr viel mit dem Inhalt anfangen kann (was der Fall ist). Auch nicht, weil man viele der Maßnahmen unmittelbar und einfach in seinem eigenen Leben umsetzen kann, um Verbesserungen zu erzielen (was ich bestätigen kann).

Vielmehr empfehle ich das Buch weiter, weil ich davon überzeugt bin, dass es für jeden der es liest zum wahren Augenöffner werden kann. Die 1%-Prozent Methode könnte auch den Titel “Die Anatomie guter Gewohnheiten” tragen. Tut es aber nicht. Vermutlich aus Marketinggründen. 

 

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist aber nicht noch einmal nach oben scrollen will, kann einfach hier auf den Ref-Link klicken: https://amzn.to/2E3VX3X Hier gibt es das Buch auf Amazon zu kaufen. Ihr werdet es nicht bereuen.

 

PS: Ich bin schon sehr gespannt auf eure Meinungen zu dem Buch. Wie schätzt ihr es ein? Wo hat es euch die Augen geöffnet? Konntet ihr schlechte Gewohnheiten loswerden oder neue gute Gewohnheiten etablieren?

 

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Danke für den Artikel;
    Ich empfehle das Buch: „ANGST“ von Robert Harris
    oder AKTUELL auch das Buch „GIER“ von Marc Elsberg.
    Nach mehr als 20 Jahren Investieren weiß ich wohl mittlerweile, dass 60% bis 80% vom nachhaltigen Börsenerfolg die Kochzutaten Geduld und Eier sind.
    Zusätzlich hilft dabei, Warren Buffet zu lauschen: Ein „intelligentes“ Portfolio von 10 bis 20 nachhaltigen Gewinner-Firmen erledigt die ganze Strategie fast schon von selbst. Man muss halt nur alle paar Quartale Geld zuschießen (wollen!).
    Der Prozess benötigt ca. 12 bis 16 Jahre. Bis dahin hat man wohl schon MEGAERFOLGE mit seinem Depot gefeiert.
    Man wird nämlich im LAUFE DER ZEIT (aka Patience 🙂 wohl ca. 80% bis 90% aller Investmentfonds geschlagen haben.
    Noch dazu, wo die Mischfonds, welche (BISHER) immer so hochgelobt wurden, in der kommenden Dekade mit „ihren Anleihepositionen“ kämpfen dürfen, während wir die wahren Eigentümer von Sachwerten sind 🙂

    LG Ralph

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