Weltspartag: Das Sparbuch ist tot
Sparbuch (Fotocredit: Michael J. Plos)

Weltspartag: Das Sparbuch ist tot

Als in den 80er Jahren Geborener ist für mich der 31. Oktober (noch) eher Weltspartag als Halloween. Tatsächlich ändert sich das zunehmend. Warum? Naja, weil an diesem Tag durchaus oft von Kindern/Jugendlichen an der Tür geklingelt wird, ich aber seit vielen Jahren nicht mehr zum Geldinstitut gelaufen bin, um was einzuzahlen.

Liegt das nur am besseren Marketing des importierten US-Festes? Ich glaube nicht unbedingt. Klar, einen Sechsjährigen kann man mit Schokolade natürlich ein größeres Lächeln ins Gesicht zaubern als mit einem kleinen Papierbuch, das kaum noch Zinsen abwirft.

Die Situation rund um die Nullzinsen (also die Wirkung, nicht die Ursache) haben natürlich auch viele Eltern längst erfasst. Und damit ist auch die Grundmotivation – nämlich heute sparen und morgen umso mehr davon haben – nicht mehr gegeben. 

Die Zinsen (bzw. ihre Höhe) sind traurig. Ich gehe jetzt gar nicht darauf ein, was „klassische“ Banken (die mit Filialen) am Sparbuch für Zinsen bieten, sondern eher, was beim Tagesgeld noch rauszuholen ist.

Die Antwort: Maximal 1,0 Prozent – und das auch nur für sehr überschaubare Zeiträume. Will man keine zeitliche Einschränkungen, landet man bei rund 0,6 Prozent. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass auch diese Höhe nicht dauerhaft zu halten ist. Man landet am Ende also bei rund 0,25 Prozent.

 

Sparer entscheiden über Leben und Tod

 

Das ist eine individuelle Frage. Und man muss sie aus Sicht des Sparenden beantworten.

Kinder selbst sparen ja nicht. Das tun ihre Eltern für sie. Und das tue ich auch für meine Kinder. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist für mich das Sparbuch tatsächlich tot.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist für mich das Sparbuch tatsächlich tot.

Um Cash-Reserven zu halten, eignen sich Tagesgold-Konten aber weiterhin. Ich bin selbst kein Fan von Konto-Hopping. Aber wer Freude daran findet sein Geld immer dort zu haben, wo gerade der „höchste“ Zinssatz zu holen ist, kann das natürlich tun. Das ist (wie im Leben allgemein) immer ein Trade-Off zwischen Einsatz und Ertrag.

Ich persönlich kann mit einer Verzinsung von 0,25% am Tagesgeld gut leben. Warum? Weil ich es als Parkplatz für meine eiserne Reserve nutze. Dass ich für diese Reserve dann sogar noch eine winzig kleine Entschädigung bekomme, macht das ganze umso besser.

 

Wie also sparen?

 

Okay, zum Sparen lohnt das Sparbuch (Tagesgeld) also nicht. Wie also sparen? Dazu muss man sich die Lebenssituation des Sparers genauer anschauen.

Meine Kinder (beide im Kindergartenalter) haben etwas, von dem Jeff Bezos, Warren Buffett und Bill Gates nur träumen können. Nämlich unfassbar viel Zeit. Und das ist beim Sparen/Investieren/Anlegen der stärkste Hebel.

Kinder haben etwas, von dem Jeff Bezos, Warren Buffett und Bill Gates nur träumen können. Nämlich unfassbar viel Zeit.

Das bedeutet, dass sie einerseits den Vorteil haben, richtig lange vom Zinseszinseffekt profitieren zu können und andererseits, dass sie bei der Geldanlage einen sehr langen Zeithorizont zur Verfügung haben, der das Risiko minimiert.

Ich setze für meine Kinder daher auf Sparpläne. Und zwar auf Sparpläne in ETFs (Indexfonds).

 

Wie bitte, Aktien?

 

Ja, richtig gelesen. Meine Kinder sind an den internationalen Kapitalmärkten tätig – wenn auch so passiv, wie nur irgend möglich. Sie investieren (per Indexfonds) in Aktien. In welche? Eigentlich in alle.

Das geschieht per Sparplan auf den MSCI-World bzw. den MSCI Emerging Markets. Ersterer umfasst über 1600 Titel, Zweiterer knapp 900. Sind in Summe 2500 Unternehmen.

Natürlich kann man über die Beimischung von weiteren Komponenten nachdenken. Beispielsweise könnte man überlegen Europa oder Japan stärker zu gewichten. Das muss man aber nicht.

Es geht darum, dass man sich den Komfort des Sparbuchs erhält.

Denn: Es geht ja darum, dass man sich den Komfort des Sparbuchs erhält. Heißt: Den Aufwand gen Null reduziert.

 

Aufwand gering halten

 

Wenn man den Aufwand möglichst gering halten will, dann greift man zu thesaurierenden ETFs. Diese nützen die Ausschüttungen (die im Fonds enthaltenen Unternehmen bezahlen ja Dividenden) zur Reinvestition in den eigenen ETF.

Was ist also konkret nötig?

Man muss ein Depot eröffnen.

Dann muss man einen oder mehrere Sparpläne einrichten.

Dann muss man einen Dauerauftrag einrichten.

Schluss. Aus. Ende. Das wars.

 

Aber …

 

Der Sprung vom Sparbuch zum ETF-Sparplan ist natürlich groß. Ich kann die Einwände schon hören.

Einer wird lauten: Aber was ist, wenn der ETF-Anbieter pleite geht? Ist dann mein Geld weg?

Die Antwort lautet nein. ETFs stellen Sondervermögen dar. Und im Gegensatz zu Spareinlagen bleibt Sondervermögen auch Sondervermögen wenn es auf über 100.000 Euro angestiegen ist.

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