Das Sparbuch ist untot

Untot, Zombie, Tot, Friedhof

Heute ist ein trauriger Tag, nämlich Weltspartag. Was früher ein Feiertag für Sparer war, ist heute so etwas wie ein Gedenktag. An diesem huldigen Sparer den guten alten Zeiten, als das Sparbuch nicht tot, sondern noch am Leben war. Das ist aber längst vorbei.

Denn das Sparbuch ist “toter” denn je. Eine hässliche Formulierung, ich weiß. Es drängt sich jedoch die Frage auf, was eigentlich die Steigerungsform von tot sein könnte. Vielleicht “untot”? Ist das Sparbuch mittlerweile in Wahrheit ein Zombie? Also ein Untoter, der völlig orientierungslos umhertorkelt? 

 

Vielleicht fallen der Weltspartag und Halloween ja gerade deshalb auf ein und denselben Tag.

 

Eine Bestandsaufnahme

So, jetzt genug der Polemik. Stellen wir uns lieber die Frage, ob das Sparbuch die bezeichnung “tot” überhaupt verdient hat. Um eine Antwort zu finden, habe ich den Bankenrechner der Arbeiterkammer herangezogen. Siehe auch https://www.bankenrechner.at/sparen

 

Ich habe ihn dann mit folgenden Daten befüllt: 

 

  1. Sparbuch (Sparform)
  2. täglich behebbar (Bindungsfrist)
  3. keine Einschränkung (Zinssatz)
  4. keine Einschränkung (Einzahlung)
  5. Nein, ich bin kein Jugendlicher
  6. keine Einschränkung (Bundesland)

 

Das Ergebnis brachte insgesamt 17 verschiedene Angebote. Hier eine Zusammenfassung:

 

  • Bei elf Sparbuchlösungen liegt die Verzinsung bei 0,01 Prozent
  • Bei Sparbüchern vier sind es 0,02 Prozent.
  • Bei einem Anbieter sind es 0,05 Prozent.
  • Und dann gibt es noch einen Anbieter, der 0,1 Prozent pro Jahr bietet.

 

Das Ergebnis verwundert angesichts des Negativ-/Niedrig-Zinsumfelds natürlich nicht. Dennoch muss man sich die Tatsache auf der Zunge zergehen lassen, dass ein Anbieter, der am Sparbuch einen Zinssatz von 0,1 Prozent pro Jahr (vor Steuer wohlgemerkt) bietet, die meisten seiner Konkurrenten um den Faktor 10 übertrifft. Ergo: Ja, das Sparbuch ist tot. Aber…

 

Und wie schaut’s bei Bindung aus?

Natürlich muss ein Sparbuch nicht immer mit täglicher Fälligkeit ausgestattet sein. Deshalb habe ich den Bankenrechner noch mit anderen Parametern gefüttert.

 

Bei einer Laufzeit von fünf Jahren liegen die Zinssätze bei 0,35 bis 1,0 Prozent. Die minimale Sparsumme liegt dann zwischen 7 und 1.000 Euro.

 

Bei zehn Jahren (mehr kann man nicht auswählen) sind es zwischen 1 und 1,1 Prozent pro Jahr. Die minimale Sparsumme liegt bei 150 bis 1.000 Euro.

 

Auch hier lautet mein Urteil: Das Sparbuch ist tot.

 

Die Lösung: Sparplan statt Sparbuch

Nach heutigen Maßstäben war das Sparbuch früher die sprichwörtliche “eierlegende Wollmilchsau”. Warum? Trotz schneller Verfügbarkeit wurden respektable Zinsen (über der Inflation) bei hoher Sicherheit (Einlagensicherung) geboten. 

 

Nun steht und fällt bei der Geldanlage jedoch alles mit der Rendite. Gibt es de facto keinen Ertrag, verpuffen die anderen beiden Stärken des Produktes wirkungslos. Salopp formuliert: Schnelle Verfügbarkeit und hohe Sicherheit bieten auch der hauseigene Safe oder der Kopfpolster.

 

Doch zurück zum Thema Rendite. Diese ist untrennbar mit dem Begriff Risiko verbunden. In Geldangelegenheiten führt – das haben zehn Jahre der Niedrig- und Nullzinsen eindrucksvoll gezeigt – kein Weg daran vorbei, nach einem guten Verhältnis aus Rendite und Risiko zu suchen. Schnell stellt man fest. Ohne Aktien geht es nicht. (Siehe hierzu auch: Der Sparplan ist alternativlos -> klick)

 

Schwere Fragen, leichte Antworten?

Hat man den ersten Schock – nämlich dass Aktien mittlerweile für sinnvolles Sparen unabdingbar sind – verdaut, drängen sich zwei zentrale Fragen auf:

 

1) Welche Aktien soll ich kaufen?

2) Woher weiß ich, wann ich Aktien kaufen soll?

 

Hier die unspektakulären Antworten:

1) Am besten alle Aktien.

2) Am besten regelmäßig, zum Beispiel monatlich.

 

Die Wissenschaft ist sich einig: Den Aktienmarkt schlagen, können nur die allerwenigsten Fondsmanager. Und selbst die, die es doch schaffen, kann man vorher nicht zuverlässig auswählen. Die Folge für Anleger: In den allermeisten fällen setzt man auf einen möglichst breiten Aktienkorb.

 

Wo sich die  Wissenschaft ebenfalls einig ist: Markttiming funktioniert nicht. Genau aus diesem Grund drängt sich, ein Sparplan auf. Dieser führt die Kauforders automatisiert in gewissen Zeitabständen durch. Zum Beispiel monatlich. Auch quartalsweise ist denkbar, wenn man die Kosten für Transaktionen minimieren möchte (gerade dann sinnvoll, wenn man mit kleinen Beträgen agiert).

 

Das Sparbuch ist tot – Ruhe in Frieden

Am Ende will ich noch einen kleinen Ausblick wagen: Ist das Sparbuch wirklich tot oder wird es ein Comeback feiern? Auf absehbare Zeit bleibt das Sparbuch im Koma. Dazu braucht man sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen.

 

Sobald das allgemeine Zinsniveau wieder ansteigt, könnte das Sparbuch aber freilich ein fulminantes Comeback feiern. Wann es soweit sein wird, kann niemand sagen. Nicht einmal, ob es jemals soweit sein wird. Klar ist nur: Die Zeit bis dahin, sollte man nicht ungenutzt verstreichen lassen. Denn Zeit ist in Sachen Zinseszins die stärkste Waffe aller Sparer. 

 

PS: Ich habe mich dem Thema Sparbuch schon einmal vor zwei Jahren gewidmet. Das Ganze ist -> hier nachzulesen.

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