Taschengeld-Konzepte: Der britische Ansatz

Taschengeld-Konzepte: Der britische Ansatz

Wenn es darum geht, seine Kinder finanziell vernünftig zu erziehen, muss man sich unweigerlich einem Thema widmen: Dem Taschengeld. Dabei gibt es verschiedene Ansätze. Zum Beispiel das britische Modell.

Alle Freunde des britisches Fußballs haben beim Verständnis dieses Konzepts womöglich einen kleinen Startvorteil. Denn ihnen ist die Idee eines wöchentlichen Geldflusses nicht fremd. Während wir (deutschsprachigen) Kontinentaleuropäer in finanziellen Angelegenheiten grundsätzlich eher von Monat zu Monat denken, ist das auf der Insel anders. Dort ist die Bezahlung auf Wochenbasis gängig. Auch bei Fußballern.

So ist laut dieser Quelle (https://www.ran.de/fussball/england/bildergalerien/top-10-die-bestverdiener-in-der-premier-league) Mittelfeldspieler Kevin de Bruyne von Manchester City derzeit der bestverdienende Kicker der gesamten Premier League. Sein Salär: Umgerechnet 368.100 Euro. Pro Woche wohlgemerkt.

 

Wie viel ist genug?

Nun bewegen sich die meisten Menschen nicht gerade in den Gehalssphären von Top-Kickern. Und auch der junge Kevin der Bruyne wird nicht schon in seiner Kindheit so viel Geld eingenommen haben, wie heute. Doch eine Frage bleibt: Wie viel Geld ist genug?

 

Darauf gibt das von mir liebevoll als “britisches Taschengeld-Konzept” bezeichnete Modell eine einfache Antwort. Ein Pfund pro Lebensjahr des Kindes pro Woche.

 

Macht bei fünfjährigen Kindern 5 Pfund pro Woche, bei zehnjährigen 10 Pfund pro Woche und und bei 15-jährigen entsprechend 15 Pfund pro Woche.

 

Auf Euro umgerechnet

In einer schnellen Adaption auf europäische Standards ergeben sich folgende Werte:

BritischesModellTabelle

Ich habe für die Angleichung den Wechselkurs Pfund zu Euro mit 1:1 angenommen. Außerdem habe ich die Taschengeldhöhe von Wochen in Monate gerechnet (zB 5 Euro mal 52 Wochen geteilt durch 12 Monate) und ein bisschen gerundet. Die folgende Grafik gibt eine gute Übersicht.

 

Stärken: “Fair”, einfach und nachvollziehbar

Zu den absoluten Stärken des britischen Ansatzes gehört mit Sicherheit seine  Einfachheit. Die Taschengeldhöhe zu berechnen erfordert keinerlei höhere Mathematik.

 

Außerdem ist ein gewisser Fairness-Faktor gegeben. Hat man mehrere Kinder, ist für diese jederzeit nachvollziehbar, wer wieviel Taschengeld bekommt. Ältere bekommen mehr als jüngere. Klar – Alter ist keine Leistung – aber gerade im Kindesalter steigen die finanziellen Bedürfnisse von Jahr zu Jahr.

 

Schwächen: Unflexibel, keine variable Komponente

Um die Schwächen dieses Modells zu identifizieren, muss man zunächst den eigentlichen Sinn von Taschengeld definieren. Dieses dient zwar primär dazu, Kindern den autonomen Umgang mit (eigenem) Geld beizubringen. Aber eben nicht ausschließlich.

 

Kinder sollen durch ihr regelmäßiges Taschengeld auch lernen, wie man seine finanziellen Mittel bestmöglich einteilt, um damit für einen bestimmten Zeitraum gut auszukommen. 

 

Langfristig besonders wichtig: Ein gutes Taschengeld-Modell MUSS auch eine Komponente enthalten, die den Kinder beibringt, dass Konsumverzicht sich mittel- bis langfristig lohnt. (Dem Thema Taschengeld habe ich mich bereits in diesem Beitrag gewidmet: https://michaelplos.com/kinder/der-richtige-umgang-mit-geld-kinder-und-kapitalismus/)

 

All dies bietet der britische Ansatz leider nicht. Außerdem könnten man kritisieren, dass die Taschengeldhöhe anfangs zu hoch und später zu tief ist bzw. dass die Steigerungen (relativ betrachtet) von Jahr zu Jahr geringer ausfallen. Während ein Plus von 1 Euro im Alter von 4 auf 5 Jahre noch ein Plus von 25 Prozent, beschränkt sich der Zuwachs am elften Geburtstag gerade einmal auf 10 Prozent (11 statt 10 Euro). Siehe hierzu auch die Grafik bzw. die Tabelle.

GrafikBritischesModell

Tabelle Steigerungsraten

Fazit

Das britische Taschengeld-Modell hat gewiss seinen Charme. Vor allem seine Simplizität gefällt mir. Für meine eigenen Kinder würde ich es aus mehreren Gründen nicht anwenden.

 

  1. Ist mir die Taschengeldhöhe im jungen Alter zu hoch. Ich habe bei meinen Kindern mit jeweils vier Jahren mit der Zahlung von Taschengeld begonnen. In diesem Alter dient das Taschengeld natürlich ausschließlich dem Konsum. Da finde ich 17 Euro im Monat über die Maßen großzügig.
  2. Mir fehlt die flexible Komponente. Diese könnte man zwar grundsätzlich jedem Taschengeld-Konzept nachhalten, das macht aber insbesondere dann sinn, wenn die “fixe” Komponente niedrig ist. Das ist beim britischen Modell definitiv nicht der Fall. Vor allem nicht anfangs, wenn die Kinder besonders jung sind. Gerade in dieser Zeit müssen Kinder den Konsumverzicht lernen.
  3. Langfristig finde ich das Taschengeld zu niedrig (unter der Prämisse, dass es keinen variablen Anteil gibt). Ob einem 16-jährigen 70 Euro Taschengeld im Monat reichen? Ich denke nein. Auf ein neues iPhone müsste man dann selbst bei 100-prozentiger Sparquote rund zwei Jahre sparen.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Interessanter Ansatz, aber auch ich würde das als viel zu hoch ansehen. Meine Kinder kriegen definitiv weniger. Es sei denn man teilt das Geld. Eine hälfte darf es ausgeben wie es will und die andere Hälfte wird definitiv gespart. 50% des Taschengeldes wird so zurückgelegt.
    Am besten von Anfang an mit dem Kind ein Budgetplan machen.

  2. Hallo Michael,

    ich finde das vorgestellte britische System als Basis sehr tauglich. Ich würde aber – aus dem von dir genannten Grund – mit Versatz anfangen. Also ab vier/fünf Jahren mit Taschengeld zahlen beginnen und das als Jahr 1 werten. Also ab dem 4./5. Geburtstag 1€ pro Woche zahlen und zu jedem Geburtstag dann um 1€ erhöhen. Dann ca nach der 1. Klasse von wöchentlicher auf monatliche Zahlung wechseln. Zu dem Zeitpunkt auch anfangen dem Kind das Sparen beizubringen. Hierfür entsprechende Anreize mitgeben, z.B. für jeden Euro der mindestens einen Monat gespart wird gebe ich noch einen Euro als Bonus oben drauf, oder 50% Zinsen auf das gesparte Geld pro Monat (das soviel Zinsen unrealistisch sind, lernt das Kind dann später). Aber mit so hohen Zinsen bekommt das Kind sehr schnell ein Gefühl für den Zinseszinseffekt und man hat gleichzeitig eine Art variablen Taschengeldanteil.

    Du sagst: „Ob einem 16-jährigen 70 Euro Taschengeld im Monat reichen? Ich denke nein. Auf ein neues iPhone müsste man dann selbst bei 100-prozentiger Sparquote rund zwei Jahre sparen.“
    Das ist aus meiner sicht die Falsche Sicht und vermittelt die falschen Werte! Bei 70€ Taschengeld kann bei guter Sparquote nach 2-3 Monaten ein „neues“ Smartphone gekauft werden. Wenn der Spross unbedingt meint, ein neues iPhone zu *brauchen*, dann soll er sich überlegen, wie er das Geld dafür zusammenbekommt..

    An dieser Stelle vielleicht noch eine Überlegung zum Verwendungszweck. Meiner Ansicht nach, sollten alle Lebenshaltungskosten von den Eltern gedeckt werden, solange das Kind noch zur Schule geht. Das schließt eine „Grundversorgung“ an Klamotten und auch z.B. das erste Smartphone mit ein. Aber eben nur als Grundausstattung. Wenn das Kind teure Markenklamotten haben möchte, dann muss es die Differenz eben von seinem eigenen Geld bezahlen. Wenn das Kind alle 2 Jahre ein neues Smartphone haben will, muss es das eben von seinem eigenen Geld bezahlen.
    Wenn das klar kommuniziert wird und man evtl. weiterhin großzügig (aber natürlich nicht mehr 50%) Zinsen zahlt, dann reicht auch die niedrige Bemessung des Taschengeldes. Denn über Geburtstage und sonstige Geschichten gibt es ja eh immer mal wieder Geld.

    Desweiteren werde ich für mein Kind ein Juniordepot anlegen, auf das monatlich 25€ in einen Welt-ETF bespart werden. Damit hat das Kind zur Volljährigkeit dann ein „kleines Vermögen“ in eigenen Händen und kann/muss dann eigenverantwortlich sehen, was damit gemacht wird.
    Wie der letzte Absatz verdeutlicht sind dieses meine aktuellen Überlegungen zu meinem nicht vorhandenem Kind 🙂

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