Inflation für Optimierer

Optimieren
Es klingt komisch: Aber gerade, wer in den letzten Jahren an den richtigen Schrauben gedreht hat, steht jetzt vor einer schwierigen Situation.

 

Wer klug mit Geld umgehen will, befolgt ein paar einfache Grundregeln. Kosten senken, Einnahmen erhöhen, den Rest investieren. Dieses Prinzip hat auch tadellos funktioniert. Zumindest bis vor kurzem.

Die Inflation ist zuletzt in der Eurozone auf 9,8 Prozent gestiegen. Das fühlt sich nicht nur brutal an. Das ist brutal. Es ist die höchste Teuerungsrate der letzten Jahrzehnte. Und damit für sehr viele Menschen die höchste Inflation, seit sie denken können.

 

Wer schon optimiert hat, steht vor einem Problem

Mit Geld gut umzugehen, hat zugegebenermaßen zahlreiche Facetten. Extrem vereinfacht, kann man es aber trotzdem auf zwei Sätze zusammenfassen.

 

Gib weniger aus, als du einnimmst. Investiere den Rest.

 

Wenn man erst einmal weiß, wie man richtig investiert (nämlich prognosefrei, breit gestreut, kostengünstig, langfristig), muss man nur noch an zwei Schrauben drehen.

 

Die eine lautet: Steigere deine Einnahmen.

Die andere lautet: Senke deine Ausgabe.

 

Klingt einfach. Ist es normalerweise auch. Oder besser gesagt, war es einmal. Denn “dank” der Inflation ist es in den letzten Monaten viel schwieriger geworden, von der Theorie in die Praxis zu kommen. Vor allem dann, wenn man diesem Rat schon einige Jahre folgt.

 

Das Potenzial ist ausgeschöpft

Werden wir konkreter bzw. privater: Ich habe im Laufe der letzten Jahre meine persönliche Kostenstruktur weitgehend optimiert. Und hier war tatsächlich auch einiges zu holen (weshalb man seine Ausgaben regelmäßig checken sollte).

Gerade durch Anbieterwechsel bei Strom und Gas, das Switchen zu günstigen Internet- und Mobilfunkanbietern und den genauen Vergleich für notwendige Versicherungen war hier ordentlich Potenzial vorhanden.

Dieses Potenzial ist – zumindest in meinem Fall – ausgeschöpft. Wenn ich meine Ausgabensituation jetzt noch weiter verbessern möchte, bleibt mir also nur noch eine Option.

 

Verarsche mit wahrem Kern

Will ich meine Kosten noch weiter senken, heißt es ab sofort wohl oder übel zu verzichten. Wir kennen die medienwirksamen Empfehlungen der Politik.

Kürzer Duschen, einen Waschlappen verwenden oder die Zahl der eigenen Ballkleider auf drei zu reduzieren. Selbstverständlich kommt man sich bei solchen Tipps in einer ersten Reaktion gelinde gesagt “verarscht” vor. Denn die Empfehlungen sind teilweise anmaßend.

Und dennoch ist etwas Wahres dran.

 

Das Level zu halten wird schwer

Denn gerade als Optimierer hat man die Inflation zuletzt besonders stark gespürt. Dort, wo gefühlt bereits jeder Cent und Euro herausgeholt wurde, schlägt die Teuerung besonders stark durch. Stichwort Strom, Gas oder Versicherungen.

Im aktuellen Umfeld ist schon das Halten des bisherigen Kostenlevels eine Herkulesaufgabe. Durch Verzicht lässt sich aber gewiss einiges erreichen.

 

Prognosen sind schwierig

Es ist Stand heute schwer zu prognostizieren, wie hart die Auswirkungen der Energiekrise tatsächlich sein werden. Ich habe zwar kurz überlegt zu schreiben, in welchen Bereichen ich derzeit verzichte, um die Kosten dort auf Null zu reduzieren. 

Da eine solche Liste aber sehr schlecht altern könnte, sehe ich davon ab, dies zu tun. Schon heute sind viele Menschen nicht mehr in der Lage, ihren täglichen Einkauf oder das Warmwasser finanzieren zu können. 

Diesen zu empfehlen, bei Restaurantbesuchen kürzer zu treten oder seltener ins Kino zu gehen, wäre (wie auch die Tipps der Politiker) zwar gut gemeint. Würde in den Ohren der Menschen in Not aber wie Hohn klingen. Und das völlig zurecht.

 

Zeit für die eiserne Reserve?

Mein Tipp lautet daher: Am besten macht man sich jetzt schon Gedanken darüber, wo man bestmöglich verzichten kann. Anzusetzen ist ganz klar bei den Wants, denn den Kosten für Needs kann man sich nicht entziehen. Wants? Needs? Hier erkläre ich genau, was das ist. Oder anders formuliert: Besser man macht sich jetzt schon Gedanken, denn möglicherweise wird man in absehbarer Zeit dazu gezwungen sein.

In den nächsten Monaten wird es womöglich notwendig sein, die eiserne Reserve zu aktivieren. Sie wird ihre Aufgabe dadurch erfüllen, dass sie verhindert, dass du in den Dispo rutscht. Das geht nämlich stets mit horrenden Zinsen einher. 

 

Minimalismus eine Chance geben

Ich persönlich mache mir nicht gerne Gedanken darüber, wo ich künftig verzichten kann (oder eher muss). Aber noch weniger gerne, mache ich mich von der Politik abhängig. Es ist zwar davon auszugehen, dass diese sich etwas einfallen lassen wird. Es wird aber wie immer die Frage sein, ob die Ideen auch die nötige Qualität mitbringen. Ich wage es zu bezweifeln.

Ein letzter Tipp vielleicht noch: Vielleicht ist der perfekte Zeitpunkt gekommen, sich mit dem Thema Minimalismus auseinanderzusetzen. Ich habe dazu in den letzten Jahren zahlreiche Bücher gelesen. Ein paar schwache, ein paar stärkere. Und ein besonders Gutes. Nämlich Love People, Use Things … weil das Gegenteil nicht funktioniert: The Minimalists

Von The Minimalists gibt es auch eine tolle Netflix-Doku (sie heißt: “Minimalist – Weniger ist jetzt”). Wer den Abo-Dienst (denn man übrigens sehr flexibel kündigen kann) gerade nutzt: Riskiere deine Zeit. Vielleicht ändert es deine Sicht auf die Dinge. Und zwar, dass man durch Verzicht durchaus wachsen kann. 

Ein ebenso wahrer wie tröstlicher Gedanke.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Hallo Michael,
    danke für den Artikel und die deutlichen Worte zur „Vera**sche“ der Politiker. Fühle mich da an den Ausspruch …“Wenn sie kein Brot haben, dann sollen Sie halt Kuchen essen“ erinnert.
    Die Inflation ist ja auch nur die Wirkung, nicht die Ursache. Die liegt m. E. u. a. an a) den jahrelangen Niedrigzinsen der EZB und (wen wundert es) b) den nicht erfolgten Reformen der politisch Verantworlichen – besonders in vielen Süd-Ländern.
    Wir leben in spannenden Zeiten…

    1. Servus Flickflack,
      da hast du recht. Ich bin sehr gespannt, was die nächsten 6 bis 12 Monate bringen!

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