
Wer hier regelmäßig mitliest, hat wahrscheinlich bemerkt, dass auf diesem Blog derzeit deutlich weniger neue Beiträge erscheinen als früher. Der Grund ist einfach: Ich denke gerade so wenig über Geld nach wie noch nie. Und das fühlt sich überraschend gut an. Dabei ist mir etwas aufgefallen.
Viele Finanzblogs verlieren nach einigen Jahren an Schwung. Die Themen wiederholen sich, die Abstände zwischen den Artikeln werden größer. Lange habe ich mich gefragt, warum das so ist. Ich glaube, inzwischen eine Antwort gefunden zu haben.
Geld wird irgendwann zum Selbstläufer
Gerade bereite ich meinen halbjährlichen Zwischenbericht zu meinen persönlichen Jahreszielen vor. Wie viele von euch wissen, setze ich mir jedes Jahr Ziele in drei Bereichen: Finanzen, Sport und Weiterbildung.
Dabei ist mir eines klar geworden: Die finanziellen Ziele sind mit Abstand am einfachsten zu erreichen.
Nicht am Anfang – da muss man seine Hausaufgaben machen. Budget aufstellen, Rücklagen bilden, investieren lernen und ein funktionierendes System aufbauen. Das kostet Zeit und Disziplin.
Ist dieses Fundament aber gelegt, läuft vieles automatisch. Daueraufträge, Sparpläne und Abbuchungen erledigen den Großteil der Arbeit. Danach braucht es vor allem Geduld, gute Nerven und möglichst ein steigendes Einkommen.
Der Vermögensaufbau entwickelt dann eine Eigendynamik.
Bei Sport und Bildung ist es genau umgekehrt
Anders sieht es bei meinen beiden anderen Zielen aus.
Ich muss mich zwar kaum überwinden, ein Buch aufzuschlagen (mein Top-Pick im ersten Halbjahr 2026: Outliers) oder ins Fitnessstudio zu gehen. Beides gehört längst zu meinem Alltag. Trotzdem kosten diese Dinge Zeit – und sie lassen sich nicht automatisieren.
Vor allem hängen sie von Faktoren ab, die ich nur teilweise beeinflussen kann.
Gesund bleiben. Verletzungsfrei bleiben. Genug schlafen. Die sommerliche Hitze wegstecken. Beruf und Familie unter einen Hut bringen. All das entscheidet darüber, ob eine Trainingseinheit oder eine Stunde Lesen überhaupt möglich ist.
Mit Anfang 20 spielt das oft eine kleinere Rolle. Mit über 40 merkt man deutlich, dass Regeneration plötzlich genauso wichtig wird wie das Training selbst.
Der Zinseszins arbeitet – der Körper leider nicht
Beim Vermögensaufbau arbeitet die Zeit für uns. Wer früh beginnt, profitiert vom Zinseszins. Irgendwann wird der Prozess fast von allein schneller.
Beim Körper und beim Kopf ist es genau andersherum.
Hier reicht es nicht, einfach nichts zu tun. Schon das Ziel, das aktuelle Niveau zu halten, verlangt mit jedem Jahr etwas mehr Einsatz.
Genau deshalb haben sich meine Prioritäten zuletzt verschoben. Ich investiere derzeit mehr Zeit in meine Gesundheit und meine Weiterbildung – und weniger in finanzielle Themen.
Das Schöne daran: Mein Depot arbeitet trotzdem weiter.
Und vielleicht ist genau das der beste Beweis dafür, dass ein solides Finanzsystem irgendwann seinen Zweck erfüllt. Es verschafft einem die Freiheit, sich stärker um die Dinge zu kümmern, die sich eben nicht automatisieren lassen.