Erfolgsfaktor Nummer 1

Erfolgsfaktor Nummer 1
Egal was man erreichen will. Gewohnheiten sind der Erfolgsfaktor Nummer 1.

 

Stark, schlau und reich sein. Das will jeder. Doch egal, ob es nun um körperliche, geistige oder finanzielle Gesundheit geht. Immer noch glauben viele Menschen, dass der Weg zum Glück nur über eiserne Disziplin und Willenskraft führt. Doch das ist nicht so. Behauptet zumindest Wendy Wood.

 

Wendy Wood? Das ist eine hochdekorierte, britische Psychologin, die ein (sehr) lesenswertes Buch geschrieben hat. In der Autorenbeschreibung im Piper Verlag, wo ihr Erstlingswerk “Good Habits, Bad Habits” Anfang 2024 erschienen ist, findet man folgende Zusammenfassung:

 

Wendy Wood ist eine britische Psychologin und Provost-Professorin für Psychologie und Wirtschaft an der University of Southern California. Sie ist außerdem Distinguished Visiting Professor an der INSEAD Business School in Paris. Zuvor war sie Vizedekanin für Sozialwissenschaften am Dornsife College. Ihre Forschungsarbeit befasst sich vor allem mit Gewohnheiten und Verhaltensänderungen.

 

So viel zum Background der Autorin. Widmen wir uns nun dem Inhalt ihres Buches. Denn der hat es in sich.

 

Auf die Gewohnheiten kommt es an

Fassen wir zum Einstieg die Grundaussagen von Wendy Wood zusammen. Und lösen auch die Überschrift dieser Buchrezension auf. Erfolgsfaktor Nummer 1 sind (die richtigen) Gewohnheiten. Und so erklärt die Psychologin in ihrem Buch, dass ein erheblicher Teil (etwa 43 Prozent) unseres Verhaltens aus Gewohnheiten besteht, die automatisch ablaufen. Und genau hier setzt auch ihre Argumentation an.

 

Good Habits Bad Habits

 

Wenn man nachhaltige Verhaltensänderungen (gute Gewohnheiten etablieren, schlechte Gewohnheiten loswerden) erreichen will, sollte man sich weder auf Willenskraft noch auf Motivation verlassen. Das funktioniert nämlich in aller Regel nicht. 

So weit, so klar. Denn das weiß jeder, der schon einmal eine Diät abgebrochen oder den Plan, für einen Marathon zu trainieren, doch nicht durchgezogen hat. (oder eines der unten angeführten Bücher gelesen hat) 

 

Was sind Gewohnheiten?

Ähnlich wie es James Clear in seinem Meisterwerk “Die 1-Prozent-Methode” (mein Lieblings-Sachbuch aller Zeiten) bzw. Charles Duhigg in “Die Macht der Gewohnheit” vorgemacht haben, zerlegt auch Wendy Wood den Erfolgsfaktor “Gewohnheiten” in seine Einzelteile.

Wendy Wood verfolgt dabei einen klaren, analytischen Ansatz. Um diesen nachvollziehen zu können, müssen wir zunächst definieren, was überhaupt eine Gewohnheit ist. Das klingt banal, weil jeder hierzu eine intuitive Meinung hat (eine Gewohnheit ist, was man wiederholt tut, ohne darüber nachzudenken). Doch Wendy Wood geht bei der Definition sehr genau vor.

 

Die Gewohnheit ist ein Seil; wir weben jeden Tag einen Faden, und schließlich können wir es nicht mehr zerreißen.

Thomas Mann, deutscher Schriftsteller

 

Für Wendy Wood sind Gewohnheiten Verhaltensweisen, die zwei Eigenschaften mitbringen. Sie sind einerseits “kontextgesteuert” und andererseits “automatisch”. Klingt zunächst kompliziert. Doch hier die gute Nachricht: Man kann diese Verhaltensweisen steuern. Doch wie genau geht das?

Zum einen durch Wiederholung, zum anderen durch die bewusste Gestaltung des Umfelds. Klingt eigentlich ganz einfach. Dementsprechend könnte die Buchbesprechung hier eigentlich enden. Doch der Teufel liegt bekanntlich im Detail. Und deshalb empfiehlt es sich, weiterzulesen. Das gilt für diese Rezension ebenso wie für das Buch selbst.

 

Gute Gewohnheiten etablieren

Bevor wir uns ansehen, wie man schlechte Gewohnheiten wieder los wird, wollen wir betrachten, wie man gute Gewohnheiten etabliert. Insgesamt vier Schritte sind dafür laut Wendy Wood nötig. Im Grunde kann es dabei um jede Art von guter Gewohnheit gehen. Deshalb habe ich beschlossen, kein konkretes Beispiel anzuführen.

 

Abhängig davon, welche du pflegst, können Gewohnheiten dich formen oder dich brechen. Wir werden zu dem, was wir regelmäßig tun.

Sean Covey, Bestseller Autor

 

  1. Den Kontext gestalten: Dieser Punkt setzt sich aus drei Punkten zusammen
    1. Reize optimieren (Umgebung so einrichten, dass das gewünschte Verhalten erleichtert wird)
    2. Hindernisse reduzieren
    3. Ablenkungen vermeiden
  2. Wiederholung priorisieren: Regelmäßigkeit ist viel wichtiger als Intensität. Es geht darum, Gewohnheiten durch konstantes Wiederholen eines Verhaltens im gleichen Kontext (siehe Punkt 1) zu automatisieren.
  3. Reibung nutzen: Das Ziel besteht darin, gutes Verhalten leicht zu machen (also Reibung zu reduzieren). Beispielsweise durch Vorbereitung.
  4. Kleine Schritte: Der Wille zur Veränderung ist anfangs oft sehr groß, nimmt aber nach kurzer Zeit rapide ab. Es ist wichtig, klein, aber nachhaltig vorzugehen. Damit man die gute Gewohnheit auch wirklich regelmäßig durchführt. Komme was wolle.

 

Negative Gewohnheiten loswerden

Um sich von Unerwünschtem zu trennen, sollte man laut Wendy Wood an drei Punkten ansetzen. Diesmal werden wir die Punkte anhand eines Beispiels durchgehen.

 

  1. Den Kontext verändern. Beispielsweise den Auslöser für eine schlechte Gewohnheit entfernen. Wenn man weniger snacken will, könnte man die Schokolade vom Wohnzimmertisch entfernen, also aus dem Sichtfeld verschwinden lassen.
  2. Die Reibung erhöhen. Hier geht es darum, dass man das unerwünschte Verhalten schwieriger macht. Bleiben wir bei Snacks. Man könnte diese in einem schwer zugänglichen Küchenregal verstauen. Oder noch besser: sie im Supermarktregal liegen lassen.
  3. Ersatzgewohnheiten: Jetzt kann man die schlechten Gewohnheiten durch gute Gewohnheiten ersetzen. Etwa in dem man gesunde Snacks (Obst bzw. Nüsse/Hülsenfrüchte) dort platziert, wo früher die ungesunden Snacks waren.

 

Der Wille reicht nicht aus

Es gibt Menschen, die sich selbst als sehr willensstark betrachten. Das klingt vielleicht ein wenig überheblich – aber ich gehöre ebenfalls zu diesem Personenkreis. Und obwohl ich mich so einschätze, verlasse ich mich nicht auf meinen Willen, wenn es darum geht, meine Ziele zu erreichen. Warum?

Den eigenen Willen kann man sich wie einen Muskel vorstellen, der den ganzen Tag lang belastet wird. Irgendwann wird er – wie jeder Muskel bei Dauerbelastung – müde. Und dann wird es schwer. Beispiel: Man schafft es mit viel Willenskraft den ganzen Tag lang gesund zu essen, nur um abends doch wieder einer Heißhungerattacke nachzugeben.

 

Gewohnheiten sind sicherer als Regeln; man muss nicht auf sie achten. Und man muss sie auch nicht einhalten. Sie halten dich.

Frank Hall Crane, Schauspieler & Regisseur

 

Für Wendy Wood steht aus diesem Grund fest, dass das Verlassen auf die Selbstdisziplin ein ineffizienter Weg ist, um seine Ziele zu erreichen.

Der Schlüssel zum Erfolg: Man verlässt sich nicht auf die Motivation (die kann nämlich schwanken), sondern auf die oben im Detail beschriebenen Gewohnheiten. Diese sind stabil, weil sie eben von Kontexten gesteuert werden.

 

Gewohnheiten in der Geldanlage

Wie können wir die Erkenntnisse nun beim guten Umgang mit Geld nutzen? Ganz einfach. Indem wir das Schema von Wendy Wood nutzen. Hier ein paar Beispiele, die mir auf die schnelle einfallen:

  1. Den Kontext für besseres Finanzverhalten gestalten
    1. Ziele sichtbar machen: Fotos aufhängen
    2. Automatisierung: Daueraufträge, Sparpläne
  2. Die Reibung für schlechte Gewohnheiten (Ausgaben) erhöhen
    1. Handyapps (Amazon) löschen
    2. Zahlungsinformationen NICHT speichern
  3. Positive Gewohnheiten durch Wiederholung aufbauen
    1. Jeden Tag die Hosentaschen leeren und das Bargeld in ein Sparschwein legen
    2. Nach Gehaltserhöhungen die Sparquote erhöhen

Und auch das Thema mit der Willenskraft kann man 1:1 so übernehmen. Denn wer schon einmal versucht hat, das zu sparen, was am Ende des Monats noch da ist, weiß: Irgendwie ist nie was da. Oder viel zu wenig. Deshalb gilt ja auch: Bezahle dich selbst zuerst. Definiere, was du sparen willst. Und überweise es so schnell wie möglich nach dem Gehaltseingang aus deinem Sichtbereich. Am besten per Dauerauftrag.

Oder anders ausgedrückt. Wenn du eine lohnende Lektüre suchst, dann bist du bei Good Habits, Bad Habits gut aufgehoben.

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